…und Wege werden gelebt!“

Gegen unsere Vorgehensweise lässt sich leicht einwenden, dass sie spätestens dann ihren Charakter verliert, wenn Wegeleben aus der Anfangsphase heraustritt und immer wie mehr Interessierte über uns nach einem WG-Zimmer Ausschau halten. Wie soll es dann möglich sein, nicht zu einem bürokratischen Moloch zu verkommen, der jeglichem Kontakt von Mensch zu Mensch verlustig gegangen ist und Menschen nur noch als Verwaltungsobjekte zu betrachten vermag? Wie also ist es möglich, angesichts zahlreicher und immer ungezählter werdender Menschen, die Spontaneität des Charakters unserer Infoveranstaltungen, die Zeit, die wir uns für diese nehmen, die Einzelgespräche, die gemeinsame WG-Zimmersuche, den Kontakt von Mensch zu Mensch auf Augenhöhe, aus dem durchaus auch Freundschaften entstehen dürfen – wie soll es möglich sein, all dies nicht zu verlieren?

Nur eine Möglichkeit gibt es, die sich unseres Erachtens aufdrängt, dieser Problematik zu begegnen: Es muss gelingen, Wegeleben vollends in der Lebenswirklichkeit aufgehen zu lassen! Dies bedeutet zunächst die Bildung eines Netzwerkes aus zahlreichen Menschen, ob geflüchtet oder nicht, die aktiv an der Verwirklichung von Wegeleben oder ähnlicher Ideen teilhaben. Hierzu könnten beispielsweise regelmässige Treffen für Interessierte durchgeführt werden, in denen wir von unserem Vorgehen an den Infoveranstaltungen berichten und sodann durch die Verknüpfung mit den relevanten Stellen diese Interessierten in die Lage versetzen, selbst solche Infoveranstaltungen auf die Beine zu stellen. Gesucht wären ebenfalls viele Menschen, die gerne Ansprechpersonen für WGs sein möchten und Übersetzer_innen, die leidenschaftlich gerne ihre Motivation zur Umsetzung von Wegeleben einbringen.

Irgendwann würde dieses Netzwerk so fest mit der Lebenswirklichkeit verwoben sein, dass ein Bewusstsein für das Zusammenleben mit geflüchteten Menschen in WGs allerorts besteht und Wegeleben und ähnliche Projekte sich auflösen könnten. Selbst der Begriff des „geflüchteten Menschen“ liesse sich dann durch denjenigen des „Menschen“ ersetzen, da niemand mehr darauf hingewiesen werden müsste, dass es durchaus möglich sei, mit Menschen in einer WG zu leben, die aus anderen Ländern geflüchtet sind.

Dies freilich ist Zukunftsmusik. Die Sehnsucht nach ihren Klängen soll uns jedoch stets dazu motivieren, darauf hinzuarbeiten, dass wir alle einmal Teil des entsprechenden Orchesters werden.

Wege zu gehen ist der Anfang, sie zu leben die Vollendung!